Tonn.io • Lean User Experience

STARTUP ACCELERATION IM KONZERN

CASE STUDY ÜBER EIN INNOVATION BOOTCAMP

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 AUSGANGSLAGE

Energiekonzerne erfinden sich gerade neu. Nicht erst seit der Energiewende befindet sich der Energiemarkt in Bewegung. Anforderungen von Konsumenten an Produkte, Service und Dienstleistungen im haushaltsnahen Markt werden gerade von der Digitalisierung stark beeinflusst. Zum einen bedeutet es, dass der Konzern sich auf neue Anforderungen und Verhaltensmuster von Konsumenten einstellen muss, aber auch das sich im Markt starke Verschiebungen ergeben. Gerade Aspekte wie dezentrale Netze, steigende Selbstversorgung und einen stärkeren digitalen Wettbewerb machen den etablierten Anbietern zu schaffen.

Ein Energiekonzern begegnet den neuen Herausforderungen mit ganz unterschiedlichsten Initiativen. Eine davon fördert die Innovationsfähigkeit des Konzernes. Eine neue Abteilung wurde gegründet, welche Ideen und Startups innerhalb aber auch außerhalb des Konzernes fördern soll. Die Zielsetzung ist die Diversität des Portfolios langfristig zu steigern. Ein nicht unbeträchtlicher Teil des Umsatzes soll zukünftig aus neuen Ideen, geförderten und gegründeten Unternehmen erwirtschaftet werden.

Innovation Bootcamp Timeline

Innovation Bootcamp Timeline

Als eine der ersten Initiativen wurde das Innovation Bootcamp ins Leben gerufen. Dafür konnten sich Mitarbeiter mit ihren Ideen für neue Geschäftsfelder oder Startup-Ideen bewerben. Die Ideen durchliefen einen Prozess zur Schärfung, woraufhin 6 Teams auserwählt wurden ihre Ideen in Rahmen des 5-wöchigen Innovation Bootcamps auszuarbeiten, mit der Chance diese mit Finanzierung des Konzernes in die Tat um zu setzen.

Die erste Woche holte die Teilnehmer aus ihrem gewohnten Umfeld und vermittelte ein Gefühl dafür, was es bedeutet ein Entrepreneur zu sein. Die Gruppe brach dafür auf nach Hamburg, besuchte dort Startups, beobachtete echte Funding-Pitches und besuchten auch die Elbphilharmonie um den Spirit aufzusaugen.

It's not about ideas. It's about making ideas happen.

Scott Belsky

KICK-START

Die aktive Phase begann im „kraftwerk city accelerator“ in Bremen, einem Co-working Space der mit seinem offenen und modernen Design die besten Grundlagen bot, außerhalb heimischen Büros los zu legen. Die erste aktive Woche stand unter dem Motto Produkt/Service, dann folgte der Businessplan und die dritte Woche fokussierte sich ganz auf die Vorbereitung der Pitches.

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Als Input für die Ideengeber haben wir ein Playbook zusammengestellt. Eine Art Handbuch, welche Methoden und Aktivitäten sie für die Ausarbeitung ihrer Ideen einsetzen können. Es zeigt auf, wo das Team der Mentoren unterstützen und hinzugezogen werden konnten. Beispielhaft gab es Erklärung zu Value Proposition Design, Usability Tests, Interaction Design oder A/B-Testing.

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Mit Impulsvorträgen wurden Schwerpunktthemen mit mehr Kontext und praktischen Beispielen angereichert. Die Ideengeber sollten ein erstes Rüstzeug erhalten, Methoden und Vorgehen selber anzuwenden. In meinem ersten Impuls ging es um Proto-Personas und User Interviews. Diese helfen Gruppen eine gemeinsame Vorstellung zu formulieren, welche Zielgruppe sie eigentlich haben. Diese Hypothesen gilt es natürlich zu validieren, dabei mehr über die potentiellen Zielgruppen zu lernen und die Erkenntnisse wieder zurückzuführen. Dabei helfen u.a. User-Interviews, ganz nach dem Motto „Raus aus dem Büro - rein in die Welt“! Die angehenden Gründer sollten Ihre potentiellen Kunden finden und strukturierte Interviews führen. Zudem sollte sie so viel wie möglich über den Nutzerkontext und deren Anforderungen und Bedürfnisse lernen, um ihre Gründungsidee damit abzugleichen und anzupassen.

Mein zweiter Impulsvortrag hatte das Ziel den Teilnehmern Experimentierfreudigkeit zu vermitteln. Hierzu zählen auch möglichst früh und häufig zu scheitern oder auch Annahmen zu hinterfragen und das mit den richtigen Mitteln und zur richtigen Zeit. Denn im Aufbau von Unternehmen oder dem Entwickeln von Lösungen werden immer unvorhergesehene Herausforderungen entstehen. Diese gilt es zu lösen solange es noch einfach und günstig ist. Pretotyping oder Prototyping sind Methoden, die einen in die Lage versetzten Prototypisch Ideen greifbar zu machen und diese dann mit der potentiellen Zielgruppe zu verproben. Daraus zu lernen und seine Idee und Vision daran zu schärfen, um in die nächste Iteration zu gehen. Agiles Design funktioniert angewendet auf Geschäftsmodelle, Service und Software.  

HANDS-ON

Bei zwei Gründungsteams bin ich intensiver in die Mitarbeit eingestiegen. Ein Gründungsteam hat sich das Ziel gesetzt „die Welt mit besserer Führung“ zu verbessern. Ihre Vision war es die Menschen on-the-job zu besseren Führungskräften zu entwickeln. Das unter anderem mit der Beratung, Workshops und einem Entwicklungsplan gestützt von einer mobilen App. Auch das eigenständige Lernen mit der App sollte ermöglicht werden. Wir erstellten ein App-Konzept, User-Flows, ein Klick-Prototyp und eine Kostenplanung für den Businessplan.

Erster Userflow am Whiteboard

Erster Userflow am Whiteboard

App Prototyp für den Pitch


Beim zweiten Gründerteam, welches die Mobilität in Städten durch E-Bike-Sharing revolutionieren wollte, habe ich auch an dem Businessplan mitgearbeitet. Wir haben an der Value-Proposition gearbeitet, Zielgruppen Definition, SWOT-Analysen und das Ausarbeiten des Pitch-Decks geholfen.

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TAKE AWAY

Das Arbeiten in dem Innovation Bootcamp war eine der positivsten und agilsten Erlebnisse in meiner bisherigen Laufbahn!

Es ist erstaunlich wie sehr wir von unserer Umgebung beeinflusst werden. Wie sehr die Wahrnehmung der Arbeitsumgebung unser Schaffen und das Miteinander beeinflusst. Wir alle kennen muffige Einzelbüros, starre Hierarchien, grummelige Kollegen, lineare Tagesorganisationen rund um Meetings und der heiligen Mittagspause. Im Gegensatz dazu herrschte im Bootcamp ein agiles, offenes und zielorientiertes Miteinander. Alle Gründer, wenn auch in einer Konkurrenzsituation, arbeiteten zusammen auf den Stichtag der Pitches hin. Maßgeblich hierfür war ein gemeinsam erarbeitetes Manifest. Gemeinsame Werte und Regeln, welche sich die Gruppe auferlegt hat, um das Miteinander zu gestalten. Das Manifest und die Begleitung des Bootcamps von Coaches für Mindfulness macht die Arbeitsumgebung zu einer ganz besonderen!

Agile Arbeitsplätze im Innovation Bootcamp

Agile Arbeitsplätze im Innovation Bootcamp

Die Energie, welche von der Gruppe ausging ist schwer in Worte zu fassen. Man liest oder hört immer nur von solchen Orten wo das funktioniert, aber ich habe es in der norddeutschen Gegend so noch nie gesehen, geschweige denn selber erlebt. Diese Erfahrung hat meine Einstellung auf Arbeit und das Miteinander in der Arbeitsumgebung grundlegend beeinflusst. Es verstärkte meine Überzeugung immer ein aktiver, positiver und produktiver Teil der Gruppe sein. Wenn man sich offen, integer und der Sache dienlich in eine Gruppe einbringt, führt das nicht nur zu Spaß sondern auch zu einem gemeinsamen Erfolg.

Als Team Herausforderungen anzunehmen, diese zu überwinden und das Erschaffen von etwas Neuem ist eines der schönsten Erlebnisse die man haben kann!