Deutschlands Digitalisierung Monster

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Das Monster Digitalisierung treibt Unternehmen, Abteilungen und Managern die Schweißperlen ins Gesicht. Vom Heilsbringer ist die Digitalisierung zum fast unbeherrschbaren Monster mutiert. Es mutierte vom verheißungsvollen Buzzword zum omnipräsenten Kopfschmerz. Dabei sind die Potentiale für Effizienzsteigerung, Ressourcen schonen, Automatisierung, Maschinendigitalisierung, neue Geschäftsmodelle und Absatzmärkt sehr vielversprechend.

Persönlich bin ich immer wieder überrascht, wie groß der Hunger vom kleinen Monster nimmersatt eigentlich ist. Unsummen an Investitionsvolumen verschwinden in Digitalisierungsvorhaben, ganze Abteilungen oder Sub-Unternehmen werden gegründet. Laut einer Erhebung von der Entwickler-Community Stack Overflow arbeiten derzeit rund 823.000 Softwareentwickler in Deutschland. Das ist eine Steigerung vom Vorjahr von 16% und nominell mehr also 100.000 neue Arbeitsplätze. 

Auch Projektvolumen nehmen immer weiter an Größe an. Im Jahr 2018 wurde bekannt, dass der Discounter Lidl die Einführung von SAP Warenwirtschaft gestoppt hat, nach dem in etwa ein IT-Budget von knapp 500 Millionen Euro investiert worden ist. Das ist eine halbe Milliarde Euro die an Lizenzen, Zeit und Ressourcen ausgegeben wurden, bevor jemand die Reißleine gezogen hat. 61 Prozent der deutschen Mittelstands- und Großunternehmen haben bei einer Umfrage Anfang der Zweitausenderwende angegeben, in falsche Software Lösungen investiert zu haben. Komplexität und Möglichkeiten haben in der Zwischenzeit drastisch zugenommen. Die Ursachen liegen häufig nicht in den Softwareprodukten selbst, sondern die ausgewählten Lösungen decken oft den spezifischen Bedarf der Unternehmen nicht, weil vor den Entscheidungen kein klares Anforderungsprofil definiert wurde. Die größten Enttäuschungen erleben Unternehmen aber mit Lösungen, die einen gewissen Trendcharakter besitzen. Das liegt häufig daran, dass Unternehmen gewissermaßen Neuland betreten und dadurch überproportional Fehlentscheidungen treffen.

Prof. Dr. Gunter Dueck stellt im Format XING Talk unterwegs treffend fest „Wir reden zu viel und probieren zu wenig“. Vorhaben werden häufig zerdiskutiert und negativ genommen. Es werden immer Regeln und Verbote definiert bevor begonnen werden kann. Dabei könnte man doch erstmal Erfahrungen sammeln und von dort aus ermitteln oder analysieren wie und was man machen kann. Gerade der Trend Agilität sollte hier Abhilfe schaffen. Viele Unternehmen adaptieren agiles Management, propagieren agile Entwicklung aber haben immer noch Probleme bei der Lösungen Ihrer Herausforderungen. Das liegt vor allem an der Einführung von Agilität als Methode aber nicht als Mindset. Überregulierung, Hierarchien, keine Werte und Karrieredrang sorgen immer noch für alten Wein in neuen Schläuchen.


Aber was hilft?

Große Innovationskraft geht vom Deutschen Mittelstand aus. Die Ursache dafür ist, dass diese längerfristig betrachten wo das Unternehmen Umsatz generiert und wie werthaltig die Entwicklungen dahingehend sind. Es ist aber vor allem das klare Interesse an Ergebnissen oder neudeutsch „Deliverables“ statt dem Nacheifern von Trends, Methoden und Quartalsabschlüssen. Nachfolgend unsere Tipps:

Ein IT-Projekt ist ein Startup

IT-Projekte sollten einer Unternehmensgründung gleichen. Das bedeutet, dass man mit möglichst wenig Kapital und schlanken Prozessen, ein erfolgreiches Unternehmen aufbaut. Hierbei kommt es vor allem darauf an, nicht zu lange zu planen oder konzipieren, sondern so schnell wie möglich ein Prototyp oder eine Beta-Version auf den Markt zu bringen. Mit kurzen Projektzyklen ermöglicht schnell auf Kundenwünsche und Änderungen zu reagieren, ohne dem Unternehmen große Kosten entstehen zu lassen. Es geht darum im fokussierten Vorgehen, maximalen Mehrwert für die Kunden zu liefern und diesen dann gewinnbringend weiterzuentwickeln. Gerade das Vorhandensein von großen Budgets lassen Verantwortliche dabei weniger aufmerksam sein. Mike Maples Jr. ist erfolgreicher Investor mit 2 großen Startup Verkäufen und er beschreibt es wie folgt: „Ich glaube, dass zu viel Geld in einem Startup nicht nur unnötig, sondern giftig ist“.  

Stellen Sie den Menschen in den Mittelpunkt

Ihr Projekt-Startup ist davon abhängig, dass Ihre Anwender es benutzen. Sollte das nicht der Fall sein, ist Ihr Projekt schlicht und einfach gescheitert. Es ist elementar zu verstehen, was Ihre Kunden für Anforderungen an Ihre Applikation haben, welchen Bedarf sie mit Ihrem Produkt oder Service decken wollen und wie das Ganze in Ihre Lebensrealität passt und welche Rolle es dort spielt. Nur wenn man alles Aspekte berücksichtigt und es gleichbedeutend mit den Unternehmenszielen ist, kann ein Projekt wirklich erfolgreich sein. Der negative Effekt von ungenutzter Software, auch Shelfware genannt, ist enorm. In einer Studie gaben 56 Prozent der Teilnehmer an, dass 11 Prozent Ihrer Ausgaben auf Shelfware entfallen. 2011 belief sich der Markt für Software laut IDC auf 325 Milliarden Dollar in den USA. Die weltweiten Ausgaben für Shelfware dürften demnach gewaltig sein. 

Fokussieren Sie auf Experimente und lernen Sie daraus

Wenn man sich einig in der Uneinigkeit ist, sollte der Weg abgekürzt werden und die Frage von der echten Welt beantwortet werden. Experimente oder Prototypen helfen dabei, endlosen Diskussionen und Politik abzukürzen und liefern Erkenntnisse darüber, ob und in welcher Form Ihre Lösung gebaut werden sollte. Prototyen haben dabei nicht den Anspruch ein vollwertiges Produkt darzustellen, sondern sind nur so komplex wie sie sein müssen um die eine Frage zu beantworten. Das Ganze kann mit einfachen Skizzen über interaktive Klickprototypen oder Experimenten in der Produktionsumgebung stattfinden. Durch Ihren fokussierten Ansatz sind diese weniger aufwendig, sparen somit Geld und liefern fundierte Erkenntnisse noch weit vor der aufwendigen Entwicklung. Ein Mitarbeiter der Microsoft Suchmaschine BING hatte 2012 eine Idee, Überschriften von Werbeanzeigen anders darzustellen. Der Aufwand war vergleichsweise gering aber es war nur einer von unzähligen Vorschlägen. Die Manager stuften diese Idee mit niedriger Priorität ein und sie verschwand somit in einer Schublade. Ein Entwickler entdeckte diesen Vorschlag, sah das es ein geringer Aufwand sei diesen umzusetzen und führte einen A/B-Test durch. Die neue Darstellungsform sorgte binnen weniger Stunden für einen Umsatzplus von 12 Prozent – was auf das Jahr gerechnet mehr 100 Millionen Dollar allein in den USA bedeutete. Das Beispiel zeigt, wie schwierig es sein kann, das Potential neuer Ideen zu bewerten aber auch wie schnell und einfach ein solches Experiment aufgesetzt werden kann.

Fazit:

Stellen Sie den Menschen in den Mittelpunkt Ihrer Digitalisierung und handhaben Sie IT-Projekte wie Startups. Nähern Sie sich der Herausforderung Schritt für Schritt, lernen Sie dabei und fokussieren Sie auf die wirklich werthaltigen Dinge. Digitalisierung fängt beim Menschen an! 

 
Ralph Tonn